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Grazer Annenstraße - langsamer Tod?

In der Einleitung zu meinem “Straßenporträt Leonhardstraße” habe ich geschrieben, dass es für mich Straßen in meiner Heimatstadt gibt, zu denen ich einfach einen stärkeren Bezug habe, als zu anderen. Dazu zählt auch die Annenstraße, war sie doch für ein paar Jahre Heimat meiner ersten eigenen Wohnung und kurze Zeit hatte ich auch meinen Arbeitsplatz hier. 

"Die Annenstraße ist ein Straßenzug zwischen dem Südtirolerplatz  und dem Europaplatz  in Graz. Sie trennt auf ihrer gesamten Länge den vierten vom fünften Grazer Stadtbezirk und war eine hoch frequentierte Einkaufsstraße, die den Grazer Hauptbahnhof mit der Innenstadt verbindet.” Soweit charakterisiert Wikipedia (02/20) die Annenstraße. Rund 1,1 km ist sie lang, die  Straße, wie auch von Wikipedia beschrieben, die einst eine hoch frequentierte Einkaufsstraße war

 

Konnte man früher vom Bahnhof in die Innenstadt spazieren und einen vielfältigen Schaufensterbummel machen, sind heute viele Geschäfte zu sehen, die leer sind.  Zeitungspapier gestaltet heute eine Auslage, die früher den Flaneur veranlasst hat, die Geldbörse zu zücken,  um einzukaufen. Zahlreiche Reanimationen mit Umbauarbeiten wurden in den letzten Jahren immer wieder gestartet, um den Straßenzug wieder zu beleben. Gehsteige wurden verbreitert,  verkehrsberuhigende Maßnahmen getroffen und sogar grüne Akzente mit Baumsetzungen sind geschaffen worden. Die erhoffte Wirkung, mehr Frequenz, einen geringeren Leerstand in den Geschäften, die sich zu beiden Seiten der Annenstraße befinden, konnte aber noch nicht erzielt werden. 

 

Der Leerstand der Geschäfte ist sehr hoch, die Frequenz überschaubar. Es gibt nur mehr ein paar wenige alteingesessene Geschäfte. Dabei würde sich die Lage dieser Straße, als Verbindung vom Bahnhof in das Herz der Stadt anbieten, dass sie belebt werden würde, dass ein buntes Warenangebot  die gähnende Leere von zahlreichen Schaufenstern ersetzt. Wäre auch damit eine Flaniermeile vom westlichen Rande der Innenstadt über das Zentrum weiter in den Grazer Osten von einer Länge geschaffen, die vielerorts ihresgleichen suchen würde.

 

Fotografisch ist diese Straße natürlich interessant zu erkunden und führte auch dazu, dass ich meinem Vorhaben, mein Fotoprojekt “Graz ist it? It is!” ausschließlich in Schwarz/Weiß zu gestalten mit diesem Straßenporträt untreu geworden bin. Nach langem Betrachten dieser Bilder fand ich einfach, dass die Bildwirkung in Farbe, die ich ja meist ohnehin zuückhaltend einsetze, stärker ist. Wäre ich bei Schwarz/Weiß geblieben, hätte ich zwar Konsequenz bewiesen, aber mich damit selbst zu stark eingeschränkt, weshalb ich hier lieber den inkonsequenten Weg eingeschlagen habe. Ich denke, bei meinen nächsten “Graz-Porträts” wird es wahrscheinlich ein Mix aus Schwarz/Weiß und meinen ohnehin etwas entsättigten Farbbildern werden.

Weitere Blogbeiträge zu Graz:

und "Die eigene Stadt mit anderen Augen sehen" - ein Bericht über mein Fotoprojekt und Interview im deutschen Pictures-Magazin (Mai 2020). 

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Werner (Sonntag, 11 Oktober 2020 13:58)

    Toller Beitrag, tolle Fotos. Mag ich unheimlich gerne!

    Liebe Grüße,
    Werner

  • #2

    Kurt (Sonntag, 11 Oktober 2020 19:13)

    Ich sehe mir deinen Bog regelmäßig an, weil mir deine Bilder so gefallen.
    Die jetzt gezeigten Bilder sind so schön und minimalistisch gestaltet. Bewundere die "Farbgebung " deiner Bilder.
    Liebe Grüße Kurt

  • #3

    Bernd (Montag, 12 Oktober 2020 20:16)

    Danke für Euer feedback! Ich freue mich sehr, wenn mein Vorhaben einer "minimalistischen Gestaltung", die einerseits auf reduzierte Elemente im Bild basiert und andererseits auch durch eine reduzierte Farbgebung unterstrichen wird, beim Betrachten "gesehen" wird. Gerade eine Straße wie die Annenstraße ist natürlich eine Fundgrube an tollen Motiven!