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Slow-traveling in Kreta (Teil 3)

auf der fortezza in Rethymno
auf der fortezza in Rethymno

Jede Reise geht irgendwann einmal zu Ende, an vielen Eindrücken und Erlebnissen unserer Kretareise im April habe ich Sie/Euch schon in Teil 1 und Teil 2 teilhaben lassen.

Über die Besuche der Städte Chania und Rethymnon habe ich noch nicht geschrieben. Wir haben uns jeweils einen halben Tag  für die zweit - und drittgrößte Stadt auf Kreta Zeit genommen. Beide haben eine intakte, lebendige Altstadt gemeinsam, durch die es sich herrlich flanieren lässt.

 

Der Spaziergang zum Leuchtturm von Chania führt der Mauer entlang
Der Spaziergang zum Leuchtturm von Chania führt der Mauer entlang
noch heute wird der Leuchtturm mit Fackeln betrieben
noch heute wird der Leuchtturm mit Fackeln betrieben
historische osmanische Hasan-Pascha-Moschee am venezianischen Hafen der Stadt Chania
historische osmanische Hasan-Pascha-Moschee am venezianischen Hafen der Stadt Chania

Über 450 Jahre haben die Venezianer auf Kreta geherrscht und das wunderbare Ensemble, das heute Chania ausmacht, haben sie begründet, wobei auch die Geschichte von Chania bis in die minoische Zeit zurückgeht. Wir waren zum Markttag (Samstag) in Chania, wo die  Vitalität der Stadt noch mehr zum Ausdruck kommt. 

 


Das Auge kann sich gar nicht an den bunten Obst- und Gemüseständen satt sehen; hingegen kann man den Magen sehr gut satt bekommen, da zahlreiche regionale Köstlichkeiten angeboten werden. Natürlich kann man auch in anderen Waren, wie Haushaltswaren, Blumen und Bekleidung stöbern. Ob man das Gewand in der feilgebotenen Auswahl als Mode bezeichnen kann, wenn man das Wort "modisch" hineinlegt, ist schwierig zu beantworten; kann entweder an der angebotenen Auswahl liegen oder an meiner Interpretation von "modisch"...  (subjektiv denke ich natürlich, dass es am Angebot liegt...). Als Fotograf lassen sich hier viele Motive finden. Die Uferpromenade von Chania ist weitläufig; der Spaziergang zum Leuchtturm der Mauer entlang ist uneben und führt über mehrere schmale Stufen. Für Kinder ist es ein Erlebnis und Erwachsene genießen auf dem Weg dorthin den Blick auf den venezianischen Hafen. Bei starker Besucherfrequenz wäre wahrscheinlich eine Einbahn- oder Ampelregelung manchmal nicht von der Hand zu weisen und auch bei höherem Wellengang ist eher abzuraten den Leuchtturm über diesen Weg versuchen zu erreichen… .

Blick in die Stadt Rethymno hinein
Blick in die Stadt Rethymno hinein
Blick von der fortezza (Rethymno)
Blick von der fortezza (Rethymno)
in der Festung von Rethymno
in der Festung von Rethymno
über 1300 m ist die Länge der noch vollständig erhaltenen Festungsmauer
über 1300 m ist die Länge der noch vollständig erhaltenen Festungsmauer
"Bildausschnitte"(2x)  in der "fortezza" aufgenommen
"Bildausschnitte"(2x) in der "fortezza" aufgenommen
in Rethymno (2x)
in Rethymno (2x)

Apropos Kinder, denen so ein ein Spaziergang zu einem Leuchtturm ein großartiges Erlebnis bietet …  in Rethymnon lohnt sich der Besuch der fortezza, die ehrfurchtgebietend über der Stadt thront. Durch die Anlage lässt es sich herrlich durchschlendern. Sie wurde im 16. Jahrhundert als Reaktion auf die Piratenüberfälle errichtet, hat aber nicht das gehalten, was ursprünglich von ihr erwartet worden ist, denn sie war zu klein und hielt ihren Angreifern nicht stand. Rethymnon besticht durch kleine Gassen, alten und netten Häusern und eine große Fußgängerzone.    

 

"urban still lifes" (2x)
"urban still lifes" (2x)

Einer der ältesten Filo-Bäcker ist in Rethymnon in der Altstadt (Vernadou) noch tätig. Wir hatten Glück und konnten ihm bei der Herstellung des Teiges zuschauen. Der Teig ist hauchdünn und wird zu einer großen Blase geworfen, bevor er am Tisch ausgerollt wird: 



Mit dem Thema "Begegnungen", derer man in Kreta viele nette machen kann, möchte ich schließen. Anfang meiner 20er Jahre war ich mit einem sehr guten Freund mit Rucksack und Zelt auf Kreta. Wir kamen hungrig zu dem kleinen Dorf Nopigia, das damals  meiner Erinnerung nach nur aus ein paar Häusern bestand. Die Dorfstraße entlang spazierend, entdeckten wir eine kleine Taverne mit nicht mehr als drei Tischen auf der Terrasse. Müde von einem langen Tag, nahmen wir Platz und zu unserer großen Freude sprach der Wirt, weil er im 2. Weltkrieg in Deutschland war, ein wenig deutsch. Wir bekamen rasch eine Flasche Retsina und dann bat er uns mitzukommen. Nicht wissend, was er wollte, begleiteten wir ihn zum Strand, wo er uns bat, sein Boot ins Meer zu bringen. Er wollte uns frische Fische fangen. 

in Kreta 1990...(Taverne Evangelos, Nopigia in Westkreta)
in Kreta 1990...(Taverne Evangelos, Nopigia in Westkreta)

1 1/2 Flaschen Retsina später kam er zurück, seine Frau hatte den Gasherd eingeschalten, Kartoffeln wurde in eine Pommes frittes ähnliche Form geschnitten, die in der Pfanne herausgebacken wurden. Der Fisch wurde gegrillt und der griechische Salat bildete die obligatorische Beilage. Wir blieben die einzigen Gäste und Erzählungen  aus dem  Leben dieses Mannes, Evangelos hieß er, begleiteten diesen einzigartigen Abend. Mit wunderbaren Geschichten, Essen und Retsina gefüllt, schlenderten wir -  uns gegenseitig stützend -  durch die Olivenhaine zurück zu unserem Zeltplatz. Dieses Kreta von damals findet man auch heute noch mancherorts. Westkreta hat nachwievor  viel von seinem ursprünglichen Charme beibehalten und auch 2019 ermöglicht eine Reise durch dieses Gebiet noch  "slow - traveling" ohne Massentourismus.  

Begegnungen 2019, mit den man nicht rechnet (1): Pferd per Anhalter unterwegs ?
Begegnungen 2019, mit den man nicht rechnet (1): Pferd per Anhalter unterwegs ?
Begegnungen mit denen man nicht rechnet (2): unterwegs auf den Bergstraßen von Kreta...
Begegnungen mit denen man nicht rechnet (2): unterwegs auf den Bergstraßen von Kreta...
Begegnungen, mit denen man nach einiger Zeit auf den Bergstaßen rechnet...
Begegnungen, mit denen man nach einiger Zeit auf den Bergstaßen rechnet...
"street photography" - eine von vielen Begegnungen mit Katzen auf Kreta
"street photography" - eine von vielen Begegnungen mit Katzen auf Kreta
Sonnenaufgang 22.04.2019 um 06.00 Uhr; nach einem kurzen Frühstück ging es zum Flughafen und wieder nach Hause...
Sonnenaufgang 22.04.2019 um 06.00 Uhr; nach einem kurzen Frühstück ging es zum Flughafen und wieder nach Hause...

Kreta war für uns definitiv eine Reise wert. Eine Insel, die Hochkultur, unberührte Natur, landschaftliche Vielfalt, Tradition und Ursprünglichkeit bietet. Nicht zu vergessen sind die traumhaften Strände für Badeurlauber, wo man aber auch als “slow-traveler”, der sich für einen Urlaub in Kreta aufgrund der oben angeführten Vielfalt entschieden hat, entspannte Stunden genießen kann.

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Kommentare: 7
  • #1

    Karin (Sonntag, 19 Mai 2019 13:30)

    habe gerade mit Begeisterung deine Kreta Beiträge gelesen und richtig Lust auf eine Reise dorthin bekommen. Wie es dort wohl im Januar ist?
    tolle wunderschöne Fotos!

  • #2

    Wilfried Humann (Sonntag, 19 Mai 2019)

    Danke auch für den interessanten dritten Teil.
    Gruß Wilfried

  • #3

    Bildausschnitte (Sonntag, 19 Mai 2019 19:10)

    Danke für Euer Interesse. Ich finde, dass Kreta zu jeder Jahreszeit eine Reise wert ist, die schönsten Monate sind sicher im Frühjahr (notfalls, so wie wir halt wärmere Kleidung und Regenjacke einpacken), wenn die Landschaft blühend und grün ist, aber auch der Herbst, da man ja bis in den Spätherbst noch in einem warmen Meer baden kann.

  • #4

    Hattinger Veronika (Dienstag, 21 Mai 2019 12:49)

    Wir sind regelmäßig auf unserer Lieblingsinsel Kreta mit dem Mietauto unterwegs. Am Samstag ist es wieder mal so weit. Dein toller Bericht mit den schönen Bildern trägt noch mehr zur Vorfreude bei - danke!

  • #5

    Boogie (Dienstag, 21 Mai 2019 15:06)

    Wir sind gerade von einer 14-tägigen Kretareise zurück gekommen und haben begeistert den Reisebericht gelesen. Er lässt uns vieles, was wir selbst gesehen und erlebt haben, noch einmal genau nachempfinden. Der Bericht trifft genau unsere Erfahrungen und beschreibt auch unsere Touren in West- und Mittelkreta. Besonders gut gefallen uns die Hintergrundinformationen und die eindrucksvollen Fotos.
    Vielen Dank für so viel Mühe!

  • #6

    Vera (Dienstag, 21 Mai 2019 17:04)

    Lieben Dank für diesen tollen Bericht. Ich selber bin großer Kretafan und seit 1990 mit dem Kretavirus infiziert. In diesem Jahr besuchte ich die Insel das Erstemal und lässt mich bis heute nicht los. Seit mehr als sechs Jahren muss ich jedes Jahr wenigstens eine Woche hin, sonst werde ich "krank". In der üblichen Zeit verschlinge ich jeden Beitrag über diese Insel um mich wenigsten geistig hinbeamen zu können.
    In ca. vier Wochen ist es dann wieder soweit und ich darf mein geliebtes Kreta für vierzehn Tage wieder geniessen. Es ist ein besonderer Ort, von dem man nicht los kommt. Obwohl ich viel in der Weltgeschichte herumkomme, habe ich noch nie so empfunden wie auf Kreta. Es ist einfach magisch.

  • #7

    Geri Barreti (Dienstag, 18 Juni 2019 17:34)

    Hallo Bernd,
    ein toller Reisebericht, auch interessant für jemanden wie unsereins, der noch nie auf Kreta war. Vielleicht sollte ich auch mal im Frühjahr oder im Spätherbst hin, wenn es noch nicht sooo heiß ist wie jetzt in diesen Tagen...
    Danke übrigens für dein Lob für meinen Beitrag auf 24notes...