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Slow-traveling in Kreta (Teil 2)

Unsere Reise geht weiter... (für die Leserinnen und Leser, die den ersten Teil verpasst haben, hier geht es zum Anfang des Reiseberichtes durch Kreta im April des heurigen Jahres -->Teil 1).

Beeindruckt hat uns fast täglich die Gastfreundschaft und Freundlichkeit der Kreter. Man fühlt sich als Tourist überall willkommen, egal ob man sich in eher touristischen Gebieten aufhält oder im Landesinneren. Hier kann es schon einmal passieren, dass man sich mit "Händen und Füßen" verständigt, wenn man die Landessprache nicht beherrscht und auch die Kreter kein Englisch sprechen.

Der kleine Glockenturm in Amari
Der kleine Glockenturm in Amari

So haben wir "Zeichenverständigung" im kleinen Dorf Amari erlebt, als uns plötzlich der Hunger überkam. Wir steuerten auf die kleine Dorftaverne zu, die eigentlich wie ein “Kafenio” aussah; eine griechische Institution, die man auch heute noch in fast jedem Dorf sieht. Prinzipiell sitzen nur Männer vor den Lokalen, Kaffee oder Raki trinkend, die Vorbeikommenden beobachtend und beurteilend. Die Blicke spürte man intensiv beim Vorbeigehen im Nacken und manchmal würde man schon gerne wissen, was über einen gesagt wird… . Nur drei Tische, neun Sesseln standen am Gehsteig vor dem kleinen Lokal am zentralen Dorfplatz in Amari, das wir aufsuchten. Zwei freundliche ältere Damen hießen uns herzlich willkommen. Wir bekamen auch sofort ein Tischtuch aus Papier mit aufgedruckter Kreta-Landkarte (vielleicht ein äußeres Zeichen, hier sitzen Touristen ?). Wir versuchten zu erklären, dass wir Hunger hätten. Wir wurden durch den Gastraum geführt, der aus einem einzigen Tisch bestand. Eine große Schank auf der einen, ein Kühlschrank auf der anderen Seite und eine kleine Treppe, die zu einer Holztür führte, hinter der sich die Toilette befand, umschloss den Raum. Die kleine Küche war in einer Nische hinter der großen Schank. Zwei Kochtöpfe standen am alten Gasherd. Eine der beiden Damen sprach ein paar Worte Englisch. Sie hob den Deckel eines Topfes und sagte mit ihrem Finger in das Innere des Topfes zeigend: “fish, no fish”. Zuerst waren wir überfordert, was sie damit meint, aber bald war es uns klar: Es handelte sich um Oktopusse, also kein richtiger Fisch, aber doch zur Gattung der Fische gehörend. Im anderen Kochtopf brodelte ein Gemüseeintopf vor sich hin. So zeigten wir auf beide Töpfe,  unseren Magen und besprachen noch den obligatorischen “greek salad” und Brot als Beilage. Beide versuchten uns dann mit ihren Fingern klarzumachen, dass das Essen noch rund 20 Minuten dauern würde. Beim Verlassen des Gastraumes zeigte uns eine der Damen den Kirchturm, der rund fünf Gehminuten entfernt war. Jetzt war uns klar, wir sollen diese Besichtigung zwischenzeitlich vornehmen und wenn wir zurückkommen, wird auch das Essen fertig sein. Vom Glockenturm aus dem 19. Jahrhundert hatten wir einen wunderbare Aussicht auf das Tal und das kleine Dorf, das im venezianischen Stil erbaut worden ist.

 

Das Amarital ist im Frühjahr ein bunter Teppich aus Olivenhainen, Obstbäumen und blühenden Kräuterfeldern, wo sich inmitten einsam kleine byzantinische Kirchen finden lassen.  Amari liegt südlich von Rethymnon, ungefähr auf halber Strecke in Richtung südlicher Küste zum lybischen Meer.

 

Das Essen war natürlich ausgezeichnet;  bei der Einladung auf einen Raki konnten wir zum Glück einen Handel machen, nämlich den Raki gegen einen wunderbaren greek coffee tauschen, in dem der Löffel stand, was aus Sicht eines Autofahrers und in Anbetracht der kretischen Straßenverhältnisse, die ganze Aufmerksamkeit brauchen, immer eine vernünftige Entscheidung ist.

Knossos bevor der Regen kam
Knossos bevor der Regen kam
Ausschnitt aus Knossos, 800 Räume nachgewiesen, bis zu 1300 in der Palastanlage vermutet
Ausschnitt aus Knossos, 800 Räume nachgewiesen, bis zu 1300 in der Palastanlage vermutet
"Thronsaal", ob hier der mythische König Minos wirklich auf seinem Thronstuhl gesessen ist ?
"Thronsaal", ob hier der mythische König Minos wirklich auf seinem Thronstuhl gesessen ist ?
Das berühmte Fresko des angreifenden Stieres
Das berühmte Fresko des angreifenden Stieres
Rekonstruktion, wie es damals ausgesehen haben sollte
Rekonstruktion, wie es damals ausgesehen haben sollte
21.000m² soll die Anlage damals umfasst haben
21.000m² soll die Anlage damals umfasst haben

Für archäologisch Interessierte bietet Kreta natürlich auch viel. So besuchten wir die Palaststadt Knossos, die vor rd. 120 Jahren vom Engländer Sir Arthur Evans begonnen worden ist, freizulegen. Führungen werden vor Ort in mehreren Sprachen angeboten und sind empfehlenswert. Rekonstruierte Fresken, aufgerichtete und rot bemalte Säulen lassen einen beim Rundgang ein bißchen erahnen, wie diese Stadt zur Zeit der Minoer ausgesehen haben könnte. 800 Räume konnte man nachweisen, komplex angelegt und bis zu fünf Stockwerke hoch. Man brauchte also einen guten Orientierungssinn, um sich nicht zu verlaufen.  Die Fundstätte Festos ist die zweitwichtigste minoische Palaststadt, die wir ebenfalls besuchten. Nicht nur geschichtlich Interessierte kommen hier auf ihre Rechnung, auch der Blick auf die Messara- Hochebene ist fantastisch.

Festos
Festos
Blick von einer Höhle auf die Bucht von Matala
Blick von einer Höhle auf die Bucht von Matala
Ob Zeus als Stier mit Europa am Rücken diese Einfahrt genommen hat ... ? (mehr dazu im Text)
Ob Zeus als Stier mit Europa am Rücken diese Einfahrt genommen hat ... ? (mehr dazu im Text)
Touristenattraktion, Besichtigung der Höhlen von Matala
Touristenattraktion, Besichtigung der Höhlen von Matala

Wir kamen über Matala nach Festos. Matala, das einstige Hippiedorf, das diesen Ruf bis heute versucht zu bewahren. Wobei dieser Ort schon in der griechischen Mythologie  eine Rolle gespielt hat. Göttervater Zeus, auch ein bekannter Schürzenjäger zu seiner Zeit, weil er seiner Hera nicht immer treu war, hatte sich in die hübsche Prinzessin Europa verguckt. Zeus, der vor einer List nicht zurückschreckte, wenn er etwas wollte, verwandelte sich in einen Stier und umgarte so die Hübsche. Sie ging ihm auf den Leim bzw. setzte sich auf seinen Rücken und beide machten sich auf und davon. Happy, dass ihm die Eroberung gelang, entführte er sie nach Kreta, die Insel, die als seine Geburtstätte gilt. In der Bucht von Matala soll er mit ihr die Insel betreten haben.  Nicht lange zögernd hat er sich mit ihr unter einen Olivenbaum verkrochen und Minos gezeugt, der als Begründer der minoischen Kultur gilt. 

Die Bucht von Matala wird durch einen Felsen umschlossen, der an einen Emmentaler erinnert: Dessen Löcher sind Höhlen, die in prähistorischer Zeit in den Sandstein gehauen worden sind. Römer nutzten Sie als Grabstätten und in den 60er, 70er Jahren Jahren dienten Sie als Unterkünfte von Aussteigern aus der ganzen Welt. Bald war diese Community bei den Hippies bekannt und auch bekannte Musiker, wie Joni Mitchell lebten einige Zeit dort. Angeblich soll auch Cat Stevens, der sich heute Yussuf Islam nennt, ebenfalls einige Zeit zu einem Höhlenbewohner mutiert sein. Heute erinnern bunte VW-Busse mit aufgemalten Blumen als Schlüsselanhänger oder als Modellautos, die man an jeder Ecke kaufen kann und Streetart, in den kräftigen Farben der 70er Jahre, an die damalige Zeit. 

Die Höhlen können “erklettert” werden, was recht amüsant sein kann, da alle Altersklassen mit jeglichem erdenklichen Schuhwerk diese Versuche starten. Selfies en masse, die hier geschossen werden und die Erkenntnis, dass Smartphones von mittlerweile jeder Altersklasse diesbezüglich verwendet werden; die Bedienung aber doch nicht immer ganz einfach ist und so es schon manchmal dauern kann, bis wieder ein Höhleneingang frei für die nächste Aufnahme ist… .

"Arkadi-Kloster" - Klosterkirche
"Arkadi-Kloster" - Klosterkirche
Das Kloster entstand im 14 Jh. und existierte bis zur schrecklichen Explosion 1866
Das Kloster entstand im 14 Jh. und existierte bis zur schrecklichen Explosion 1866
Stamm der Zypresse, die 1866 Feuer fing. In ihr steckt bis heute noch eine Kugel
Stamm der Zypresse, die 1866 Feuer fing. In ihr steckt bis heute noch eine Kugel
innerhalb der Klostermauern
innerhalb der Klostermauern
Moni Arkadiou
Moni Arkadiou

Einer der kretischen Nationalheiligtümer und nun wird es wieder ernster, stellt die Klosteranlage Moni Arkadiou dar. Ein Symbol für Widerstand, wo sich 1866 Hunderte von Kretern (Männer, Frauen, Kinder) in die Luft gesprengt haben, um nicht in die Hände der Osmanen zu fallen, die mit einer gewaltigen Armee auf Eroberungszug waren. Nur ein kleines Mädchen überlebte. Heute ist in der Anlage noch der Stamm einer Zypresse zu sehen, die bei der Explosion Feuer gefangen hat und in der noch eine Kugel steckt. Wir hatten das Glück, dass im Rahmen unseres Besuches noch recht wenig los war und den geschichtsträchtigen Ort mit allen Sinnen aufnehmen konnten. Ein weiteres sehenswertes Kloster, das wir besucht haben, befindet sich ganz im Westen, auf der Halbinsel Akrotiri:  “Moni Agias Triadas”, welches im 17. Jahrhundert gegründet worden ist. Dieses ist nicht nur unter zweibeinigen Besuchern für seine Gastfreundschaft bekannt, sondern auch in der Katzengemeinschaft dürfte sich das herumgesprochen haben. Wohlgenährte Katzen bevölkern viele Ecken der wunderbaren Anlage. 

Moni Arkadiou (7x)
Moni Arkadiou (7x)

Unsere Reise wird im Teil 3 zu Ende gehen und uns nach Chania und Rethymnon führen. Das Thema "Begegnungen", die man so auf Kreta machen kann, wird sich ebenfalls in diesem Teil wiederfinden. Lasst Euch überraschen! 

 

Ich würde mich natürlich sehr freuen, wenn Euer Interesse an meinem Bericht und meinen Bilder aufrecht bleibt. Bis bald!  

Moni Agias Triadas (5x)
Moni Agias Triadas (5x)

P.S..: Ganz in der Nähe des Klosters Moni Agias Triadas befindet sich die nette Bucht von Stavros, die als Filmkulisse für Alexis Sorbas, den Anthony Quinn in der Hauptrolle verkörpert hat, gedient hat. Für die, die das nicht wissen, hat man ein zur Sicherheit ein großes Plakat aufgestellt.

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Kommentare: 1
  • #1

    Wilfried Humann (Sonntag, 12 Mai 2019 20:50)

    Wieder ein sehr spannender Bericht und ganz fantastische Bilder. Ich freue mich auf Teil 3.