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Burano - konzentrierte Farbigkeit in Venedig

Der heutige Beitrag passt farblich so gar nicht in die aktuelle Jahreszeit, ist als „Farbklecks“ inmitten der weiß-grauen Farbenwelt gedacht, die sich augenblicklich vor der Haustüre abspielt. Aber vielleicht eignet er sich gerade deswegen als Kontrastprogramm, denn kaum auf der Welt wird es einen Ort geben, wo Häuser ein Ortsbild in so prägnanten, außergewöhnlichen und unterschiedlichen Farben prägen. Auf nach Burano, einer Insel, die zu Venedig gehört. 

Im Spätherbst verbrachte ich mit meiner Familie ein paar Tage in Venedig. Im Rahmen dieses Aufenthaltes stand Burano für mich zum ersten Mal auf der Besuchsliste. Burano ist ein sehr gefragtes Ausflugsziel. Die Fischerinsel ist für ihre Spitzenstrickerei und bunten Häuser weltberühmt und lockt jährlich zahlreiche Touristen an. 

 

Ende Oktober war aus unserer Sicht eine gute Reisezeit, um ein nicht ganz so volles Venedig zu erleben und auch noch die Architekturbiennale zu besuchen. Der Wasserbus, der uns nach Burano brachte, war mit Ausflüglern auch im Oktober gut gefüllt und ich fürchtete mit vielen anderen Menschen die engen Gassen von Burano teilen zu müssen und kaum in Ruhe fotografieren zu können.

 

Aber - wir bekamen im Vorfeld den guten Tipp, dass wir nach dem Ausstieg aus dem Vaporetto eine Straße weitergehen und nicht gleich links abbiegen sollen; man soll also nicht die „Hauptstraße“ nehmen, um Burano zu besichtigen. Diesen Tipp und den Rat Burano so früh oder so spät wie möglich zu besuchen, um den zahlreichen Tagestouristen zu entfliehen, gebe ich gerne an Euch weiter. Wir  erlebten nur ein bis zwei Gassen weiter ein Burano fast für uns alleine, nur für unseren Kaffee mussten wir in einem der Cafes zwischen Selfijägern und anderen Ausflüglern Platz nehmen. Abseits des Hauptweges, den natürlich zahlreiche Souvenirläden säumen, erlebten wir ein "ruhiges" Burano, wo die Wäsche zwischen den Häusern an der Leine hing und wo der Duft selbstgemachter Pasta durch die offenen Eingangstüren, die nur durch Vorhänge fremde Blicke ins Innere abwehrten, nach außen drang. 

 

Warum die Häuser so bunt sind, darüber gibt es einige nette Geschichten. Zurückzuführen soll es darauf sein, dass damit die Fischer im dichten Nebel besser ihr Haus und somit ihre Anlegestelle fanden. Eine Legende besagt aber auch, dass man es den Postboten leichter gemacht hat, das richtige Haus für die Postzustellung zu finden, weil viele Menschen auf Burano den gleichen Nachnamen haben. Da es bei der Zustellung immer zu Verwechslungen gekommen ist, haben die Bewohner dann ihre Häuser in jeweils anderen Farben angemalt, um es den Zustellern einfacher zu machen… . Kein Haus trägt die gleiche Farbe wie sein Nachbar. Gemeinsamkeiten gibt es in der Umrahmung der Fenster, die  nahezu alle weiß sind und in den Türen bzw.  Fensterläden, die  naturbelassen in Holz, braun oder grün gestrichen sind. 

 

Fotografisch ist Burano natürlich eine Augenweide, Motive gibt es in Hülle und Fülle. Ich beschloss vor dem Besuch nur mit einer Festbrennweite zu fotografieren, um mich ganz auf das jeweilige Motiv zu konzentrieren. Ich entschied mich für das 28mm/f 2.8 Objektiv in Kombination mit meiner Leica M10. Der Vorteil an dieser Kombi war, dass ich näher an das Motiv herangehen musste, das eine oder andere „Störende“ dadurch aussparen  und mit dem Weitwinkel die sehenswerten Gebäude gut ablichten konnte. Ein weiteres Plus für mich war, dass das Elmarit 28mm/f2.8 so leicht und klein ist, dass man damit nicht auffällt und die Kamera wunderbar die ganze Zeit in der Hand halten kann. Das Licht dieses Spätherbsttages war auch bereits am Vormittag schon sehr schön und brachte die knalligen Farben besonders gut zur Geltung. Wie Ihr an den Fotos erkennen könnt, ist es mir wirklich gelungen keine Touristen „mit aufzunehmen“, was ein paar Schritte abseits alles ausmachen… .

Das untenstehende Bild zeigt zum Abschluß die Gesamtansicht von Burano, wie man sie zu sehen bekommt, wenn man mit dem Vaporetto anreist. Der Turm ist tatsächlich schief, nicht nur Pisa hat einen schiefen Turm, sondern auch Burano! 

P.S.: Wer großartige Fotos von Burano sehen möchte, für den habe ich einen Instagram-Linktipp für Euch: Der italienische Fotograf Mirko Saviane hat eine fantastische Bildergalerie mit Aufnahmen, die er in Burano macht, auf  Instagram: "kromirko". Leider habe ich diesen Account erst nach meinem Besuch in Burano entdeckt, hier hätte ich mir sonst im Vorfeld viele Anregungen für Motive holen können! 

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Kommentare: 3
  • #1

    Volker Krause (Samstag, 22 Januar 2022 13:27)

    Beeindruckende Fotos! Ein Fest für die Farbe! Ich muss gestehen, die Leica mit dem entsprechenden Objektiv machen was aus. Wie sähen die Bilder wohl ohne L. aus?

  • #2

    mario kegel (Sonntag, 23 Januar 2022 10:44)

    sehr schoene farbtupfer in einer eher momentan grauen welt. und vor allem bilder, die sich von der venedig-postkarten-idylle abheben. ich als venedig-fan habe lust bekommen gleich wieder los zu fahren.

  • #3

    Bernd (Sonntag, 23 Januar 2022 11:22)

    Voker und Mario, vielen Dank für Euer feedback. Farblich ist Burano wirklich eine Augenweide, ich hatte aber an diesem Tag auch optimale Bedingungen zum Fotografieren. Spätherbst, schon längere Schatten und darüber der herrliche blaue Himmel.

    Das Elmarit 28mm/f2.8 Objektiv ist meines Erachtens für "Leica-Verhältnisse" - insbesondere wenn man wie ich das Glück hat, ein gutes Exemplar am Gebrauchtmarkt zu erwischen - vom Preis/Leistungsverhältnis her top. Die Abbildungsleistung in Kombi mit der M10 ist großartig und es ist so kompakt, dass es einen eigentlich immer begleiten kann. Trotzdem bin ich überzeugt, dass man schöne Bilder heutzutage mit vielen anderen Kameras machen kann; aber ich gebe zu, dass es mit der M10, wenn man sich auf das System mit dem Meßsucher einmal eingelassen hat, schon sehr viel Spaß macht... .

    Ich bereite gerade ein bis zwei weitere Blogartikel über die Venedigreise im Späterherbst vor und da schließe ich mich Mario an, ja ich würde auch am liebsten gleich wieder hin fahren...