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Zwischen Weglassen und Hinsehen, Slow Photography im Magazin c´t Fotografie und ein kurzer Rückblick auf 2025

2025 war für mich ein Jahr des bewussten Hinschauens.

 

Zwischen Reisen, Reportagen und freien Projekten hat mich „Slow Photography“ einmal mehr begleitet – als Haltung, nicht als Technik.

 

In meinem Jahresrückblick habe ich Gedanken, Projekte und Begegnungen zusammengefasst.

 

Das Jahresende ist für mich immer ein Moment des Innehaltens – eine Gelegenheit, auf Begegnungen, gemeinsame Wege und die Projekte zurückzuschauen, die mich im Laufe des Jahres begleitet haben.

 

Im Rückblick auf meine Begegnungen des Jahres 2025 wird mir einmal mehr bewusst, wie wertvoll es ist, das Wesentliche zu sehen – und nicht das Überflüssige. „Nie ist zu wenig, was genügt“, schrieb Seneca.  Dieser Gedanke begleitet mich seit Langem und spiegelt sich in meiner Art zu fotografieren wider: im Weglassen, im bewussten Hinschauen, im Finden eines besonderen Blickwinkels.

 

Zeit, Präsenz und manchmal auch der Mut, stehenzubleiben – daraus entstehen für mich Bilder jenseits des Oberflächlichen. Diese Haltung meiner „Slow Photography“ ist für mich nicht nur ein gestalterischer Ansatz, sondern auch ein Gegenpol zur Hektik des Alltags. Sie erinnert daran, dass das Einfache oft das Wertvollste sein kann – im Bild wie im Leben.

 

Für die Ausgabe 01/26 des Magazins "c’t Fotografie" (seit 19.12.2025 im Handel und online erhältlich) habe ich einen Artikel über „Slow Photography geschrieben: Sich Zeit nehmen, bewusst sehen und den kreativen Prozess genießen – Entschleunigung verändert die Wahrnehmung. Es ist ein fotografischer Ansatz, den ich vor rund zehn Jahren für mich entdeckt habe und der mich seither in meinem fotografischen Tun begleitet. 

 

Gerade im Rahmen meiner Reisefotografie und dazu gehört auch das Arbeiten für den Tourismus, ist es mir wichtig, ein echtes Gespür für einen Ort zu entwickeln. Die Atmosphäre aufzusaugen und die Eindrücke, die ich dort sammle, in meinen Bildern widerzuspiegeln. Daher kommt es oft vor, dass mein Aufenthalt länger dauert als geplant und ich Plätze oder Gassen nicht nur einmal durchstreife – auf der Suche nach Motiven, die für mich den Charakter eines Ortes ausmachen. Und was für mich auch ganz wichtig ist - mich dem Zufall anzuvertrauen, hat dieser mich doch vor Ort schon zu Plätzen und damit zu Motiven geführt, mit denen ich im Vorfeld nicht gerechnet hätte. 

 

Einige Reisen führten mich 2025 erneut nach Friaul-Julisch Venetien, eine Region, die ich seit vielen Jahren regelmäßig besuche. Manche Orte haben dabei einen Fixplatz, wie etwa die Stadt Cividale, über die ich heuer für das Alpe Adria Magazin geschrieben habe. Andere Orte waren neu auf meiner Liste oder wurden wiederentdeckt. Neben Friaul war ich heuer auch mehr in Slowenien unterwegs: Über Ptuj, die älteste Stadt des Landes, entstand ebenfalls ein Artikel für das Alpe Adria Magazin. Meine Begegnung mit Ptuj war mit einer Stadt, die nicht laut ruft, aber lange nachklingt. Kleinere Orte in Friaul und in Slowenien, wie Štanjel oder die Region Brda, angrenzend an das Collio-Gebiet in Friaul, haben mich bei Foto- und Recherchetouren nachhaltig fasziniert. Über eine kleine, feine Auswahl an Orten in Friaul, die zahlreiche Möglichkeiten für Fotografiebegeisterte bereit halten, habe ich einen Beitrag für "Fotoespresso" (Fotomagazin des dPunkt-Verlages) Anfang dieses Jahres geschrieben. 

 

Darüber hinaus durfte ich auch in meiner Heimatregion auf Entdeckungsreise gehen und Ausflugsziele porträtieren. Diese Touren haben mir einmal mehr gezeigt, dass es oft keine weiten Reisen braucht, um großartige und sehenswerte Plätze zu finden – häufig liegen sie direkt vor der eigenen Haustür.

 

Besonders mag ich ja seit Jahren die kleineren Orte, von denen jeder seine eigene Geschichte in sich trägt. Aus diesen Entdeckungen entsteht regelmäßig Stoff für meinen zweiten Blog für die Onlineausgabe der österreichischen Tageszeitung "Der Standard" – ein Blog für Menschen, die gerne in der Alpe-Adria-Region unterwegs sind, bewusst reisen und fotografieren und für die Fotografie mehr ist, als nur Selfies vor Sehenswürdigkeiten.

 

Ein weiterer Schwerpunkt im Jahr 2025 waren Porträts von Menschen für unterschiedliche Magazine sowie Reportagen, die Menschen „behind the scenes“ zeigen. Mehr dazu wird es 2026 geben, da ein Teil dieser Arbeiten erst dann veröffentlicht werden. 

 

Im Rückblick auf 2025 empfinde ich vor allem große Dankbarkeit. Ich konnte Projekte umsetzen, die ich schon lange realisieren wollte, die mir viel Freude bereitet haben und mir Begegnungen mit Menschen ermöglichten, die wertvoll waren und nachhaltig in Erinnerung bleiben. Einige dieser Begegnungen fanden und finden ihre Fortsetzung – Gespräche mit Menschen, die über eine Oberflächlichkeit, wie sie oft vorherrscht, weit hinausgehen und damit das Leben bereichern. 

 

Ein besonderes Highlight war meine Ausstellung in Wernberg bei Villach in Kärnten. Dort durfte ich Arbeiten aus meinen freien Projekten der letzten zehn Jahre zeigen, ergänzt durch aktuelle Bilder aus der unmittelbaren Umgebung – unter anderem meine Reportage aus dem Kloster Wernberg.

 

„Slow Photography“ ist kein eigenes Genre und auch nicht an analoges Fotografieren gebunden. Es ist eine Herangehensweise. Gerade in einer Zeit, in der ein Bild auf Instagram durchschnittlich nur etwa 0,4 Sekunden Aufmerksamkeit erhält, bedeutet dieser Zugang ein bewusstes Wahrnehmen des Augenblicks, verbunden mit einer durchdachten Bildgestaltung vor Ort.

 

Eines zieht sich dabei konsequent durch all meine Arbeiten – unabhängig davon, ob es sich um freie Projekte oder kommerzielle Aufträge handelt: die Freude am Auslösen. Der Moment, in dem ich spüre, dass das Bild so entstanden ist, wie ich es mir vorgestellt habe. Diese Freude führt mich oft in einen Flow-Zustand, in dem ich vieles um mich herum ausblenden kann und meinem Gegenüber – wer oder was es auch immer ist – meine ungeteilte Aufmerksamkeit schenke. 

 

Auf meiner Portfolioseite finden sich aktuelle Bilder aus der Alpe-Adria-Region, eine Auswahl aus kommerziellen Arbeiten sowie eine Galerie mit Fotos aus meinen freien Projekten. Mehrmals durfte ich auch „doppeltes Storytelling“ betreiben – Fotografie und Text aus einer Hand. Dieses Format wird 2026 durch bereits mehrere geplante Artikel seine Fortsetzung finden.

 

Ich freue mich sehr, wenn ihr mir hier oder auf meinem Blog „Slow Photography“ treu bleibt, und bedanke mich herzlich für Euer Interesse. In der  Pipeline für 2026 befinden sich wieder spannende Projekte, ich hoffe, dass ich all diese realisieren darf. Ich halte Euch gerne weiter am Laufenden.

 

P.S.: Ich freue mich immer über Post, sei es Anregungen aus Euren Erfahrungen zu meinen Themen oder Orten, über die ich schreibe bzw. zu Regionen, in denen ich unterwegs bin. Ich stehe Euch auch gerne (fast) jederzeit für einen Austausch zur Verfügung oder wenn Ihr offene Fragen habt bzw. Unterstützung benötigt, die ich aus meinem Bereich abdecken kann. 

 

Danke für Eure Treue und Euer Feedback, das mich übers Jahr erreicht hat. Habt eine schöne Weihnachtszeit und ein gutes, zufriedenes Jahr 2026! 

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Kommentare: 2
  • #1

    Hochzeitsfotograf Forchheim (Sonntag, 15 März 2026 14:02)

    Es ist ein schöner Erfolg, dass deine Philosophie der „Slow Photography“ nun auch im renommierten c’t Fotografie Magazin eine Bühne gefunden hat – herzlichen Glückwunsch dazu. Dein Rückblick auf 2025 zeigt eindrucksvoll, dass das bewusste Weglassen und der Fokus auf die Essenz eines Motivs weit mehr als nur eine Technik, sondern eine bereichernde Haltung für den gesamten fotografischen Weg ist. Mein Tipp für dich: Um den Gedanken des „Weglassens“ noch weiter zu vertiefen, könntest du für dein nächstes Projekt versuchen, dich für einen Tag auf nur eine einzige Brennweite und den Schwarz-Weiß-Modus direkt in der Kamera zu beschränken, um die Konzentration voll auf Formen und Kontraste zu lenken.

  • #2

    Bernd (Sonntag, 15 März 2026 14:23)

    Vielen Dank für das Feedback zu meinem Artikel und Deinen Tipp, den ich selbst schon länger praktiziere. Ich bin immer wieder gerne mit nur einer Brennweite unterwegs, habe auch diesbezüglich schon über meine diesbezüglichen Erfahrungen geschrieben und sie in meinen Workshops zum Thema gemacht. Da bin ich ganz bei Dir, das fördert sehr die Konzentration auf gewisse Motivbereiche. Den Modus im Sucher auf Schwarz-Weiß zu lenken, ist auch immer wieder ein wertvolle Möglichkeit, um Licht, Schatten und Kontraste intensiver zu entdecken,